Anja Schneider

About

Für die Fotografin Anja Schneider hat die Fotografie als „fixierendes“ Bildmedium einen besonderen Stellenwert. Dinge unverändert zu lassen, flüchtige Augenblicke festzuhalten und für immer aufzubewahren war schon jeher Traum der Menschen, zu welchem Zweck die Fotografie seit ihrer Erfindung dienen sollte. In einer Welt der verschwindenden Sicherheiten bleiben Erinnerungen die einzig rettenden Stützpunkte der Existenz.

Anja Schneider fotografiert vorwiegend Menschen und Räume. Ihre unbearbeiteten Digitalfotografien sind großformatig, farbig und auch schwarz weiß. Zum einen sind es Räume, von denen oftmals minimalistisch reduzierte Ausschnitte durch über Öffnungen und Spalten dringendes Licht geheimnisvoll gezeichnet und sichtbar werden. Etwas Verborgenes bleibt im Raum zurück, was sich dem Betrachter entzieht und nur erahnen lässt. Der Anfang einer Geschichte wird erzählt, deren Ende ungewiss bleibt. Es sind nicht einfach dokumentarische Fotografien, sondern künstlerische Kompositionen die dem Bild eine fesselnde Klarheit verschaffen.

Auf der anderen Seite werden Räume mit unterschiedlichen Flächenstrukturen, und dem Wechsel zwischen Öffnungen und Wänden zu eigenständigen Bildern, die sich vom ursprünglichen Ort und Zweck lösen, indem sie einen Ausschnitt des Raumes in rhythmischer, struktureller Harmonie ästhetisch hervorheben.

Bei ihren Arbeiten, die beispielsweise im zoologischen Garten entstanden sind, konzentriert sich Anja Schneider auf die „Behausung“ der Tiere. Kaum weisen die Bilder auf ein tierisches Leben hin, sie strahlen vielmehr, durch einen reduzierten, klar strukturierten Einblick, Stille aus und erinnern an menschenähnliche Lebensgewohnheiten.

Immer wieder fotografiert sie Menschen, in ihrer Umgebung, anonym, im Spiel oder inszeniert, und schafft eine unheimlich fesselnde Nähe zu den gezeigten Personen. Sehr unterschiedlich sind die Portraits, die Anja Schneider vorstellt. Auf uniformen Hintergrund zeigt sie Frauen und Männer direkt, halbnackt, ohne persönliche Umgebung. Die abgebildeten Personen wirken verletzlich, privat und intim. Die Hüllen, die Maske der Kleidung bleiben bei diesem fotografischen Experiment weg, sodass der intime Blick scheinbar unvermeidlich bleibt, ein kurzer Moment der Vertrautheit eingefangen durch ein Bild, was den Betrachter in den Bann zieht. Die Menschen sind nicht sehr jung, haben Höhen und Tiefen durchlebt, tragen eine persönliche Geschichte in sich, die für die Fotografin den Menschen unvergesslich machen. Anja Schneider will sie einfangen, aufspüren, die Geschichten jedes Einzelnen. Man sieht vieler Ihrer Fotografien an, dass sich die gezeigten öffnen. Dann, auf anderen Portraitfotografien, scheint sie Wesen aus einer anderen Welt aufzuspüren, weit weg von der Realität, eine Welt voller Artisten. Menschen, die sich inszenieren, durch Kleidung, Menschen, die spielen, mit sich, mit dem Betrachter, mit Ihrem eigenem Ich, eine Verzauberung der besonderen Art.

— Constanze Nowak